Die Schneekatastrophe ´78/´79

Dezember 27th, 2008 | Posted by Mathias in Erinnerungen | Regionales | Schleswig-Holstein

Das war schon eine heftige Zeit damals. Nico Lumma beschreibt seine Erlebnisse aus der Zeit und ich werde das hier auch mal machen, soweit ich mich noch erinnern kann.

Auf Nordstrand waren wir, da unser zu Hause auch noch weit abgelegen vom Zentrum der Insel liegt, quasi abgeschnitten von der Zivilisation. Das einzige was wir hatten war ein Radio. TV gabs bei uns noch nicht so richtig. Die 3 Programme waren in schwarzweiß. Kein Internet, Telefon nur beim Nachbarn, der 1 Km weit weg wohnte. Im Radio hörten wir, dass viel Schnee fallen solle. Wir konnten uns das gar nicht vorstellen. Ich erinnere mich noch, dass wir an den Abenden, an denen es draußen stürmte und schneite, alle zusammen versammelt bei Oma in der Küche zu Kartenspielen saßen. Man spielte 66 ein Kartenspiel, dass die Großen damals immer spielten und meine Ur-Ur-Oma hat sie alle abgezockt.

Am nächsten Tag – wir waren eingeschneit bis über das Dach – hat mein Vater von oben alle Fenster frei gebuddelt, damit Licht ins Haus konnte. Rund um das Haus lag mindestens 3 m hoch der Schnee. Einkaufen mußten wir auch irgendwie. Ich bin dann mit meinem Vater, unserem Schäferhund und ich glaube mit meinem Bruder und meiner Muter querfeldein zum Kaufmann gelaufen. Morgens los, Wann wir zurück waren weiß ich nicht mehr, aber es war ein wunderschöner und sonniger Tag. Daran erinnere ich mich noch, denn ich war erst 5 Jahre alt.

Mein Vater hat uns Kinder irgendwann auf der Wiese (Fenne) hinterm Haus in einer riesigen Schneewehe eine Höhle geschaufelt, in der wir spielten. Ich als kleiner Zwerg hab sicher mit offenem Mund vor diesem riesigen Schneeberg gestanden. Mit dem Schlitten sind wir vom Dach aus gestartet.

Tage später dann hörten wir einen wahnsinnigen Lärm. Am Ende der meterhoch zugeschneiten Straße flog der Schnee in hohem Bogen Richtung Felder. Die Rettung nahte. Für uns Kinder war das einfach nur spannend. eine massige Schneefräse arbeitete sich Meter für Meter an unserem Hof vorbei. Wir Kinder standen später oben auf dem Schneerand und blickten auf die Strasse hinab, der Fräse hinterher und freuten uns wie Könige. Schließlich hatten wir so eine Maschine noch nie gesehen…

Ich werde diese Zeit nie vergessen.Obwohl diese Zeit sicher eine große Bedrohung für meine Familie war, fehlte es uns an sich an nichts. Meine Familie hat mir in dieser Zeit nie das Gefühl gegeben , dass große Gefahr drohe. Und dafür bin ich sehr dankbar!

Update: Eine sehr schöne dokumentarische Zusammenstellung zum Schneewinter 78/79 gibt es beim NDR

Ähnliche Beiträge zum Weiterlesen


You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 Both comments and pings are currently closed.

4 Responses