Nokia: Vom Market-Leader zum Follower

September 17th, 2010 | Posted by Mathias in Android | Apps | Google | Handy | Mobilfunk

Nokia-Vizechef Anssi Vanjoki, Vertriebs- und Marketingvorstand im Hause Nokia, hat vor wenigen Tagen seinen Rückzug angekündigt. Dies ist um so erstaunlicher, da erst drei Tage zuvor Olli-Pekka Kallasvuo, Nokias Konzernchef, abgelöst und ersezt wurde.

Nokia hat ein Problem. Im Artikel Google stürmt im mobilen Internet an die Spitze kann man in der Grafik sehr schön die Markt-Entwicklung der Smartphone-Betriebssysteme von 2007 bis 2010 ablesen. Nokia hat hier mit einem herben Verlust von annähernd 25% zu kämpfen, während vor allem das iPhone Betriebssystem iOS und Android stark zulegten.

Erinnern wir uns doch einmal zurück an Ende November des vergangenen Jahres. Was sagte damals Herr Vanjoki?

“Android ist kein Erfolg, sondern vor allem ein Hype”, sagt er. “Bislang sind kaum Android-Handys verkauft worden, der Marktanteil liegt unter einem Prozent, technisch ist Android noch nicht ausgereift. Unser Betriebssystem Symbian wird in den kommenden Jahren das dominierende System bleiben.”

und

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir jetzt wissen, was wir machen müssen, nämlich Handys bauen, die einfach zu bedienen sind und gut aussehen”

Nun, Android legt immer noch zu, das iOS ebenso. Da hat sich Vanjoki also deutlich verschätzt. Ob der Nokia-Konzern sich einen Gefallen damit getan hat, nun einen Microsoft-Manager als Konzern-Lenker an Bord zu holen, sei mal dahin gestellt. Vielleicht kann er es ja tatsächlich besser.

Was muß Nokia tun, um Marktanteile zurückzugewinnen? Die Entwicklung im Markt zeigt, das Mobilfunkkunden offensichtlich großes Interess an Smartphones haben. Gekoppelt mit der Möglichkeit sich das Smartphone durch Apps zu personalisieren und das Handy so zur eigenen Kommunikations- und Unterhaltungszentrale zu machen, wird dieses Verlangen noch gesteigert. Möglich gemacht haben diese Entwicklung zum einen der Fortschritt bei der Miniaturisierung der Technik, aber zum anderen auch der Ausbau der Netze zu mobilen Breitband-Netzen. Apple hat diese Lücke mit einem stylishen Produkt scheinbar eher vorhergesehen und mit dem iPhone ein Handy mit extrem hohem „Haben-Wollen-Faktor“ just im richtigen Moment auf den Markt gebracht.

Mit ein wenig Verzögerung startete Google und schob das Android OS, sowie ein noch nicht ganz gleichwertiges Smartphone nach. Das G1. Für Kunden mit einem Hang zu einem offenen Betriebssystem, also denen, die sich nicht in das geschlossene Apple-System begeben wollten, lag hier die heiß begehrte Alternative. Hier begann der „Android-Hype“, den Vanjoki als kurzes Zwischenspiel zu sehen schien.

Nokia hat mit dem hakeligen 5800, dem ersten Nokia Touchscreen-Handy, versucht Anschluss zu finden. Parallel wurde der Nokia-App-Store OVI gelauncht. Doch es hat nicht gereicht. Auch das N900 und das N97/N97 Mini konnten gegenüber  der neue Übermacht nicht den Anschluss halten.

Nokia entwickelt inzwischen wieder Smartphones, die durchaus Potential haben, Anschluss zu finden. Das N8 beispielsweise fühlt sich sehr gut an. Es ist schnell, der Touchscreen ist brillant und der OVI-Store bietet inzwischen eine gut gewachsene Vielfalt an Apps. Was fehlt sind Innovationen. Nokia wurde vom Innovationsführer zum Follower. Das ist sicher für den Konzern ein herber Umschwung. Insofern ist der Austausch der Führungsriege schon nachvollziehbar. Ob es hilft?  Was kommt nach Apps und Smartphones? Kann Nokia wieder Punkten?

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