Google Reader, Alternativen, Workarounds

Google Reader wird eingestelltViel ist in den letzten Tagen geschrieben worden. Über Google, den Frust der Google Reader Nutzer, die nun auf ein Tool verzichten müssen, das eine sicher nicht sehr große, aber dafür sehr spezialisierte Gruppe von „Netzmenschen“, die auf News entweder angewiesen, oder aber sehr an News interessiert waren, genutzt wird und wurde.

Nachzuvollziehen ist die geplante Abschaltung des Dienstes durch Google nicht. Wenn es um fehlende Monetarisierung des Dienstes gehen würde, dann müsste man gerade den Googlern vorhalten, dass sie aus dem, was sie mit dem Reader geschaffen haben, wohl hätten deutlich mehr machen können. Etwas Adsense und Adwords,  eine Bündelung mit Feedburner, Nutzeranalyse und wenn es denn sein muss auch eine kleine Gebühr – das zusammen genommen würde locker ausreichen, um den Dienst finanziell erfolgreich weiterzuführen. RSS mag ja etwas angestaubt sein, aber wer seinen Google Reader Account mit Erweiterungen im Chrome für seine Zwecke umgebaut hat, für den war der Reader genau das Richtige, um den täglichen News-Hunger zu stillen. Diese Nutzer, Nutzer wie ich auch, wären durchaus bereit gewesen einen Obulus zu zahlen, um den lieb gewonnen Ritus des News-Konsums aufrechtzuerhalten.

Es wird wohl unklar bleiben, warum Google hier nicht richtig einsteigt. Unklar bleibt auch, warum man einen News-Dienst mit vermutlich Millionen Accounts einstellt, dann aber plötzlich mit einem neuen Dienst um die Ecke biegt, den es im Netz bereits Vielfach und teilweise höchst erfolgreich gibt. Es ist ein Notiz-Dienst, ich glaube er heißt Google Keep. Evernote, Springpad und einige andere mehr sind in diesem Bereich bereits bestens etabliert. Was treibt Google da? Auch dies wird wohl im Verborgenen bleiben…

feedlyAlternativen zum Google Reader gibt es bereits jetzt viele. Noch nutze ich eigentlich überwiegend das Google Tool. Feedly scheint auf den ersten Blick eine Alternative zu sein. Hier fehlen mir jedoch einige Dinge, die ich am Reader lieb gewonnen habe. So zum Beispiel die Möglichkeit mit der Chrome Erweiterung Super Full Feeds denn gekürzten RSS-Feed eines Blogs im Reader dennoch vollständig anzuzeigen. Ja, dafür gibt es im Feedly die Preview-Funktion, aber das ist mir zu klicki-bunti. Ich will ja gerade nur Text und nicht die volle Webseite als Vorschau in einem Layer im Reader selbst. Das ist nicht schön gelöst.

owncloud

Eine weitere Alternative, die ich bisher nur in Test-Installationen gesehen habe ist Tiny tiny RSS. Hier muss der Nutzer etwas Webspace haben, um den Reader dann selbst zu hosten. Vorteil: Man kann sich aussuchen, wo der Server steht und man hat alle Daten selbst in der Hand. Wesentlich interessanter könnte aber auch noch Owncloud werden. Eine Cloud-Lösung ähnlich Dropbox, aber eben auch als Installation auf dem eigene Webspace. Owncloud hat angekündigt, den Google Reader komplett zu kopieren und in Owncloud zu integrieren. Owncloud mutiert damit zu einem mächtigen Tool. Mail, Musik, Fotos, Feeds, Cloudspeicher und alles über all auf jedem Gerät, dass Netzzugang hat erreichbar.

Ich bin noch unschlüssig, wie ich mich entscheide. Bleibt ja noch etwas Zeit, bis Google den Reader dann schließlich am 01.juli abschaltet.

Für die neuen und alten Feedly User habe ich noch einen kleinen Tipp:

Ich habe im Google Reader immer News mit dem Sternchen versehen (starred items), um mich daran zu erinnern, dass ich diesen Artikel später noch lesen will. Ich habe dazu IFTTT genutzt. Es gibt ein IFTTT-Rezept, dass mir immer dann, wenn ich einen Artikel mit einem Stern markiere, eine E-Mail mit dem Link und der Überschrift zum Artikel schickt. Mit Feedly ist das, soweit ich weiß nicht möglich.

IFTTT - put the internet to work fork youAus diesem Grund habe ich mir eine neue Variante überlegt. Parallel nutze ich auch den Dienst Pocket (ehem. Read-it-later). Eigentlich markiert man hier Webseiten mit einem Pocket-Plugin im Browser, Pocket speichert diese dann und später, wenn man Zeit hat, kann man diese Artikel auf Pocket dann lesen. Dumm nur, wenn man dies irgendwie immer vergißt. Mir passiert das öfter. Darum habe ich mit IFTTT nun ein neue Rezept gebaut, das mir immer dann, wenn ich einen Artikel mit Feedly zu Pocket sende, was bereits von Hause aus in Feedly möglich ist, eine Mail geschickt wird. Diesen Reminder lese ich auf jeden Fall, da ich am Abend zu Hause meine privaten Mails checke. Für den einen oder anderen mag das unsinnig sein oder auch zu kompliziert, aber für meine Bedürfnisse ist dies genau das richtige.

Wo die Reise nun hingehen wird? Keine Ahnung. bis zum 01.Juli ist noch eine lange Zeit, da fließt noch viel Wasser die Schlei rauf und wieder runter. Der Markt ist jetzt ordentlich in Bewegung geraten. Es wird einiges kommen, da bin ich sicher. Ob es die Bedürfnisse treffen wird? Wer weiß das schon. Die Entwicklungen im Web sind so schnell da und auch wieder weg, da fällt es schwer schon jetzt eine Aussage zu treffen. Sicher kann man aber sagen, dass es generell nicht schlecht ist, mal darüber nach zu denken, ob man immer den Google Account mit all seinen Diensten nutzen sollte. Man ist womöglich doch besser beraten, seine Dienste selbst zu hosten, oder sich Dienste zu suchen, die kostenpflichtig sind, dafür aber zumindest eine kleine Garantie haben, auch längerfristig am Leben zu bleiben.

 

2 Comments

  1. Wenn Owncloud hält, was sie jetzt versprechen, wäre es mein Favorit. TT-RSS probiere ich gern mal bei Dir aus. Schickst Du mir den Link mal, bitte 😉

  2. TT-RSS kannst Du bei mir mal ausprobieren, benutze ich seit 2 Jahren nicht im Test 🙂
    In den letzten 1,5 Wochen gab es da auch einige Updates wegen dem Google Reader, über ein Plugin kann man nun die Tastenkürzel des GR haben und mit dem Update von gestern kann man auch die kombinierte Artikelansicht bei der nur einer ausgeklappt ist aktivieren die ein Kollege vermisste.

    Generell würde ich momentan eher auf TT-RSS denn auf Owncloud als Feedreader setzen (ich benutze beides für ihren jeweiligen Zweck) da Owncloud jetzt erst bei 0 angefangen ist und alles komplett neu implementieren muss. Das einzige was die Integration in Owncloud letztlich als Vorteil hätte wäre der gemeinsame login und dass man innerhalb der gleichen Oberfläche zu den Dateien/Kalender wechseln könnte. Das sind aber Kontextwechsel für die ich momentan keinen unmittelbaren Einsatz sehe.

    Übrigens kann auch TT-RSS zu Owncloud sharen und mehrere TT-RSS Installationen können sich verbinden um die sozialen Funktionen wie Empfehlungen Installationsübergreifend zu haben. Über OPML Ex- und Import kann man ja aber auch verschiedene Alternativen ausprobieren und es ist ja auch noch Zeit bis der GR dicht macht.
    Sofern man die Möglichkeit hat würde ich aber auf jeden Fall zu einer selbstgehosteten Alternative greifen, wie man am GR sieht ist man ansonsten auf das Wohlwollen des Anbieters oder dessen Geschäftsmodell angewiesen.

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