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Breitbandausbau: Nur mit Kombination aus Durchsatz und Volumen sinvoll!

Nico Lumma hat vor ein paar Tagen in seiner Handelsblatt-Kolumne zum Internet-Slowdown-Day und zur Netzneutralität geschrieben. Natürlich ist das was er hier schreibt überwiegend richtig. Hätte die Regierung mehr zum Ausbau des Internets bereits in den Letzten Jahren beigetragen und für eine „echte Breitband-Verfügbarkeit“ gesorgt, dann müsste niemand am Internet-Slowdown-Day teilnehmen und sich über Netzneutralität Gedanken machen. Was mich jedoch wieder und wieder an der Diskussion um den Breitbandausbau maßlos nervt sind Sätze wie diese:

„Nun will die Bundesregierung zumindest eine flächendeckende Bandbreite von 50 Megabit pro Sekunden (Mbit/s) gewährleisten.“

Ja, die Bundesregierung will für schnelles Internet sorgen. Es wird dummerweise jedoch nur ein Spotlight auf den Durchsatz gelegt. Von 50MBit/s ist die Rede. Abgesehen davon, dass dies in weniger als 2 Jahren bereits zu wenig sein wird, um all die Multimedia-/Streaming-Angebote nutzen zu können, ist nicht allein der Durchsatz relevant.

Relevant und damit immens wichtig ist die Kombination aus Durchsatz und Volumen! Wer schnell im Netz unterwegs ist, hat auch einen höheren Bedarf an Datenvolumen. Das ist wie auf der Autobahn: Wer schnell fährt, schafft mehr Kilometer!

Die Tarife der Provider, speziell die, der mobilen Provider machen hier jedoch dem „Raser“ einen Strich durch die Rechnung. Im höchsten LTE Tarif, der bereits mit 70€ nicht unbedingt ein Schnapper ist, fährt der Kunde bei 50 GigaByte Datenvolumen voll vor die Wand. Die schnelle Fahrt im Internet findet ein jähes Ende. Ab diesem Zeitpunkt surft der Kunde nur noch mit Modemgeschwindigkeit. Modems? Das waren doch diese Piepsdinger, mit denen wir uns noch Anfang der 90er in das World Wide Web einwählen mussten! Ja, das ist richtig.

tl;dr

Beim Ausbau der Internet-Infrastruktur braucht unsere Politik Berater, die den Politikern nicht nach dem Mund reden, sondern sie antreiben ein Vielfaches von 50MBit/s umzusetzen und die Anbieter verpflichtet günstige, volumenbasierte Tarife anzubieten, die dem tatsächlichen Verbrauch gerecht werden.

2 Comments

  • Mathias Penz (@penzonator) on Sep 12, 2014

    Das ist gut, aber es kommt leider viel zu spät. Der Nachholbedarf ist immens. Die Umsetzung bis 2030 ist zu lange…

    Ja, der Staat setzt den Rahmen, greift aber auch durch die BNetzA kräftig in die Gestaltung ein. Aufsicht ist gut und richtig, keine Frage. Aber bei diesem Thema ist der Nachholbedarf so groß, da müsste meiner Meinung nach entsprechend regulierend eingegriffen werden.

  • Steffen Voß (@kaffeeringe) on Sep 12, 2014

    1. Laut Breitbandstrategie des Landes Schleswig-Holstein reichen 50Mbit nicht. Nur Glasfaser kommt in Frage: http://www.schleswig-holstein.de/MWAVT/DE/Technologie/Breitband/Breitbandstrategie/Breitbandstrategie_node.html „Mittel- und langfristig wird aber kein Weg am Ausbau neuer glasfaserbasierter Infrastrukturen vorbeiführen: Glasfaser wird die Breitbandtechnologie der Zukunft sein.“

    2. In einer Marktwirtschaft liegt es an den Unternehmen, Produkte und Preise zu gestalten. Der Staat setzt nur den Rahmen.