Schneekatastrophe Tag Archive

  • Schneetief Daisy sorgt für Unruhe in Schaalby

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    Es gab im Vorwege viele Warnungen und es wurde zu Hamsterkäufen geraten, um bei einer möglichen Schneekatastrophe alles im Haus zu haben. Gut Hamster haben wir auch nicht gekauft und wir haben uns von der Panikmache auch nicht anstecken lassen, aber das Schneetief „Daisy“ hat uns trotzdem bis jetzt einige unruhige Stunden beschert.

    Einige Straßen, vor allem Nebenstraßen waren bereits gestern Abend unpassierbar. Dies mußte auch meine Frau erfahren, als sie nach dem Spätdienst aus Richtung Ostsebad Damp kommend, diverse Umwege in Kauf nehmen mußte. Auf der Strecke: Mehrere Unfälle, hohe und unpassierbare Schneewehen und kein Winterdienst weit und breit.

    Wir waren heute mal draußen unterwegs, um ein paar Fotos zu machen. Als Kind habe ich die Schneekatastrophe 78/79 erlebt und ich muß sagen, dass es mit Daisy nicht annähernd so schlimm ist. Dennoch sind Daisy´s  (Link zu Google News) Wetterkapriolen beeindruckend. Bei uns sind auch jetzt über Tag, nachdem der Winterdienst schon einige Male durch ist (und die sind mit allem unterwegs, was den Schnee an die Seite schiebt) noch viele Straßen unpassierbar. Verrückt daran ist, dass es kaum Neuschnee gegeben hat. Die Schneewehen bestehen überwiegend aus altem, losen Schnee, den der Wind mit Windstärken zwichen BFT 7 un BFT 10 von den Feldern herüber bläst. Deshalb sehen die Schneewehen auch alle etwas schmutzig aus.

    Was mich aber im Besondern beeindruckt ist die Wassermenge, die der steife Ostwind in die Schlei gedrückt hat. Unsere Auwiesen, auf denen ich normalerweise auch gerne einmal mit dem Hund spazieren gehe, sind komplett abgesoffen. Die Wasserhöhe beträgt dort etwa 1,50m über dem Boden. An den Strand unten an der Schlei in Winnigmay kommt man schon  gar nicht mehr heran, da auch dort der Parkplatz unter Wasser steht. Schlimm ist, dass auch die Ferienhäuser dort unten mal wieder in Mitleidenschaft gezogen wurden.

    Sicherlich ist das Tief Daisy, das mich immer an Donald Ducks Flamme erinnert, nicht überall so heftig aufgetreten. Vor allem in Städten und Großstädten dürfte man wohl wenig bis gar nichts von ihr mitbekommen haben, aber es gibt eben auch genügend Gegenden, wo es sehr heftig ist. Bei uns in Schleswig-Holstein im Kreis Schleswig-Flensburg gehts noch gerade so. Fehmarn ist vermutlich inzwischen komplett abgeschnitten, Lübeck´s Altstadt ertringt und Dämme drohen zu Brechen. LKW´s stecken fest auf der A20 und auf Rügen droht ebenfalls der Kontaktverlust zum Festland. Schlimm für die Menschen dies es härter trifft, als uns. Das ist dann kein Spaß!

    Hier ein paar Impressionen aus Schaalby, Füsing an der Schlei und Kahleby:

    Wie sieht es bei Euch aus? Sind Eure Lieben alle heil nach Haus gekommen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

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  • Die Schneekatastrophe ´78/´79

    Das war schon eine heftige Zeit damals. Nico Lumma beschreibt seine Erlebnisse aus der Zeit und ich werde das hier auch mal machen, soweit ich mich noch erinnern kann.

    Auf Nordstrand waren wir, da unser zu Hause auch noch weit abgelegen vom Zentrum der Insel liegt, quasi abgeschnitten von der Zivilisation. Das einzige was wir hatten war ein Radio. TV gabs bei uns noch nicht so richtig. Die 3 Programme waren in schwarzweiß. Kein Internet, Telefon nur beim Nachbarn, der 1 Km weit weg wohnte. Im Radio hörten wir, dass viel Schnee fallen solle. Wir konnten uns das gar nicht vorstellen. Ich erinnere mich noch, dass wir an den Abenden, an denen es draußen stürmte und schneite, alle zusammen versammelt bei Oma in der Küche zu Kartenspielen saßen. Man spielte 66 ein Kartenspiel, dass die Großen damals immer spielten und meine Ur-Ur-Oma hat sie alle abgezockt.

    Am nächsten Tag – wir waren eingeschneit bis über das Dach – hat mein Vater von oben alle Fenster frei gebuddelt, damit Licht ins Haus konnte. Rund um das Haus lag mindestens 3 m hoch der Schnee. Einkaufen mußten wir auch irgendwie. Ich bin dann mit meinem Vater, unserem Schäferhund und ich glaube mit meinem Bruder und meiner Muter querfeldein zum Kaufmann gelaufen. Morgens los, Wann wir zurück waren weiß ich nicht mehr, aber es war ein wunderschöner und sonniger Tag. Daran erinnere ich mich noch, denn ich war erst 5 Jahre alt.

    Mein Vater hat uns Kinder irgendwann auf der Wiese (Fenne) hinterm Haus in einer riesigen Schneewehe eine Höhle geschaufelt, in der wir spielten. Ich als kleiner Zwerg hab sicher mit offenem Mund vor diesem riesigen Schneeberg gestanden. Mit dem Schlitten sind wir vom Dach aus gestartet.

    Tage später dann hörten wir einen wahnsinnigen Lärm. Am Ende der meterhoch zugeschneiten Straße flog der Schnee in hohem Bogen Richtung Felder. Die Rettung nahte. Für uns Kinder war das einfach nur spannend. eine massige Schneefräse arbeitete sich Meter für Meter an unserem Hof vorbei. Wir Kinder standen später oben auf dem Schneerand und blickten auf die Strasse hinab, der Fräse hinterher und freuten uns wie Könige. Schließlich hatten wir so eine Maschine noch nie gesehen…

    Ich werde diese Zeit nie vergessen.Obwohl diese Zeit sicher eine große Bedrohung für meine Familie war, fehlte es uns an sich an nichts. Meine Familie hat mir in dieser Zeit nie das Gefühl gegeben , dass große Gefahr drohe. Und dafür bin ich sehr dankbar!

    Update: Eine sehr schöne dokumentarische Zusammenstellung zum Schneewinter 78/79 gibt es beim NDR